Wie ein kleiner Tipp eine Kettenreaktion in Gang brachte

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Ich weiß es noch wie heute: Es war am 28.06.2017, einem Mittwoch, einer dieser verregneten Tage in Hamburg, die wir in diesem Sommer viel zu häufig hatten. Ich hatte mich mal wieder für eine Barkassenfahrt angemeldet, die als Netzwerktreffen von einer XING-Gruppe organisiert worden war. Wir schipperten durch den östlichen Teil des Hamburger Hafens, an der Hafen-City und Entenwerder vorbei bis zum Kraftwerk in Tiefstack und wieder zurück zur Elbphilharmonie, wo wir ausstiegen und noch den Ausblick von der Elphi-Plaza genießen konnten. Zum Glück hatte es kurz nach Abfahrt der Barkasse aufgehört zu regnen und so wurde es doch ein gelungener Abend.

An Bord der Barkasse unterhielt ich mich mit einer Frau, die ich nie zuvor getroffen hatte. Irgendwie kamen wir auf das Thema Segeln. Ich glaube, sie erzählte von einer Bootstour durch Holland und dass sie extra dafür den Sportbootführerschein gemacht hatte. Ich erwähnte, dass ich eigentlich auch gern segeln würde, es mir aber nicht zutraute. Ich habe im Mai ja schon etwas dazu an anderer Stelle geschrieben. Sie fragte nach, was denn mein Problem sei und ich erzählte ihr von meinem mangelnden Gleichgewicht. Ach, meinte sie, das sei kein Problem. Sie kenne eine Yachtschule, die Schnuppersegeln auf der Elbe anböte. Die Leute in der Yachtschule seien sehr nett und hilfsbereit und wüssten bestimmt eine Lösung. Sie nannte mir den Namen der Yachtschule und dann gingen wir auseinander, um uns jeweils anderen Gesprächspartnern zuzuwenden. Aber mir ging dieser kleine Tipp nicht mehr ausm Kopf. Bis dahin wusste ich gar nicht, dass es so etwas wie Schnuppersegeln überhaupt gibt. Ich dachte immer, wenn ich auf ein Boot wolle, müsste ich schon gleich mit anpacken. Die nette Frau hatte mir aber erzählt, dass man das zwar durchaus machen könne, wenn man wollte, aber man könne sich auch einfach nur hinsetzen und die anderen machen lassen. Cool!

Jetzt wollte ich es wissen!

Als ich spät abends wieder zu Hause war, fuhr ich meinen Rechner hoch und googelte nach der genannten Yachtschule. Tatsächlich, am 08.07.2017 wurde das nächste Schnuppersegeln angeboten. Ich zögerte nicht lange und buchte einen Platz. Und weil ich irgendwie Lunte gerochen hatte und völlig aufgedreht war, googelte ich auch gleich noch nach einer Segelschule an der Alster, die ebenfalls Schnuppersegeln anbot und buchte dort ebenfalls eine Stunde am 10.07.2017. Eieiei – nun war es also soweit, ich machte mich daran, endlich meinen fiesen Glaubenssatz über Bord zu werfen…

Was soll ich sagen?! Während weiter stromaufwärts der G20-Gipfel auf Hochtouren lief, hatte ich am 08.07.2017 drei tolle Stunden auf der Elbe! Wir segelten von Finkenwerder los und dann stromabwärts. Neben dem Skipper und mir waren zwei Segelschüler an Bord, die sich auf ihre Prüfung vorbereiten wollten. Die fuhren die Manöver, der Skipper erklärte mir nebenbei einiges und ich ließ mich relativ schnell als Vorschoter einsetzen. Sie hätten mich auch ans Ruder gelassen, aber das wollte ich noch nicht. Ach ja, den Schritt vom Steg aufs Boot habe ich natürlich recht gut hinbekommen. Glaubenssätze sind nicht umsonst häufig ziemlich sinnlos… Es war zwar alles etwas wackelig und ungewohnt, aber dank der Hilfsbereitschaft des Skippers und der beiden anderen Männer fand ich mich gut auf dem Boot zurecht. Ich saß sogar gleich wie selbstverständlich auf der Seitenwand mit dem Rücken zum Wasser. Auch das Wechseln der Seite während der Fahrt gelang mir, obwohl ich anfangs butterweiche Knie hatte. Nun denn, ich war also angefixt.

Wenn schon, denn schon…

Zwei Tage später schüttete es wie aus Kübeln in Hamburg, aber ich fuhr trotzdem an die Alster, um meine Schnupperstunde zu segeln. Dafür erntete ich schon mal den Respekt der Segellehrer. Man lieh mir eine Regenhose und dann ging es ab auf den Steg. Wow, das war jetzt aber doch eine andere Hausnummer… Die Jollen an der Alster sind viel kleiner als das Boot, mit dem ich auf der Elbe unterwegs war. Und sie wackeln natürlich auch noch viel mehr. Und sie liegen mit dem Bug am Steg, das andere Boot lag mit der Seite am Steg. Und alles war nass und rutschig. Plötzlich bekam ich doch wieder Schiss. Wie sollte ich denn bitte da rauf kommen?! Ein leichter Anflug von Panik machte sich in mir breit, aber der Segellehrer zeigte mir in Ruhe, wo ich anfassen konnte und wo ich am besten hintreten sollte. Als ich dann im Boot saß, war es ein unheimliches Glücksgefühl. Wir segelten eine Stunde auf der Alster herum – na ja, wir versuchten es zumindest. Die Windverhältnisse auf der Alster sind speziell und bei dem Regen war nicht wirklich viel Wind. Das war mir aber auch irgendwie ganz recht, denn die Überwindung in dieser Jolle war schon deutlich größer als in dem Boot auf der Elbe. Aber ich genoss den Rundumblick auf die Gebäude an der Alster und wusste: Das will ich jetzt immer haben. Als wir wieder anlegten, merkte ich, dass der Schritt vom Boot zum Steg mindestens ebenso eine Herausforderung für mich war wie der Schritt vom Steg ins Boot. Aber auch das meisterte ich – wenn auch wenig galant

Nachdem ich noch eine Nacht drüber geschlafen hatte, meldete ich mich für den nächsten Kurs zum Erwerb des Sportbootführerscheins Binnen am 19.07.2017 bei der Segelschule an der Alster an. Ich wollte jetzt das Segeln von der Pike auf lernen!

Weitere ungeahnte Folgen ließen nicht lange auf sich warten…

An dieser Stelle mache ich einen kleinen Break, denn die Kettenreaktion ging ja noch weiter. Ungefähr eine Woche, nachdem ich mit dem Segelkurs angefangen hatte, fragte ich mich, warum es in meinem Lieblingsverein (Fußball) eigentlich keine Segel-Abteilung gibt. Schach gibt es, Handball, Boxen, Marathon, Triathlon und einiges mehr auch – aber kein Segeln. Und das, obwohl dieser Verein eigentlich dafür prädestiniert schien. Also fragte ich auf Facebook in die Runde, wer sich denn vorstellen könne, eine solche Abteilung zu gründen. Sie glauben gar nicht, in was für ein „Wespennest“ ich gestochen habe! Am 28.07.2017 gründete ich aufgrund der ersten positiven Reaktionen eine Facebook-Gruppe. Heute – Stand 20.09.2017 – hat diese über 100 Mitglieder, die daran arbeiten, die Gründung einer neuen Abteilung voranzutreiben. Das muss man sich mal vorstellen: Vor knapp drei Monaten hatte ich noch nicht einmal einen Fuß auf ein Segelboot gesetzt und heute arbeite ich mit anderen mit Hochdruck daran, eine Segel-Abteilung zu gründen. Jetzt werden Sie auch verstehen, was ich mit der Überschrift meinte. Ich beschäftige mich in meiner Freizeit mit kaum etwas anderem mehr, habe unheimlich viele nette Leute neu kennen gelernt und von mir bereits bekannten Personen jetzt erst überhaupt erfahren, dass sie segeln. Vorher war das nie ein Thema in unseren Gesprächen.

Warum erzähle ich Ihnen diese Geschichte?

Nun, zum einen will ich Ihnen zeigen, dass es sich lohnt, Glaubenssätze zu hinterfragen, wenn sie Sie daran hindern, sich einen langersehnten Wunsch zu erfüllen. Ich bin unheimlich stolz darauf, dass ich den Schritt gewagt habe. Natürlich eiere ich immer noch herum und es fällt mir nach wie vor schwer, bestimmte Dinge am oder auf dem Boot zu machen. Aber ich gebe nicht auf, kriege es meist irgendwie doch hin und schere mich dabei nicht darum, ob meine Bewegungen nun komisch aussehen oder nicht.

Und zum anderen geht es natürlich auch um Veränderung. Ein kleiner Schritt vom Steg aufs Boot war für mich quasi ein großer Schritt in eine ganz neue Welt, in der ich mich pudelwohl fühle. Ich habe das Gefühl, dass ich jetzt ein gutes Stück vollkommener bin, dass das Segeln ein „Loch“ in mir gestopft hat. Ich möchte Ihnen mit dieser Geschichte Mut machen, ebenfalls einen kleinen Schritt in eine neue Welt zu machen. Denn erst, wenn Sie diesen Schritt machen, werden Sie feststellen können, was für tolle Erlebnisse oder Abenteuer auf Sie warten. Albert Einstein hat mal gesagt: „Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu belassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas verändert.“

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, dass Sie nicht in der reinsten Form des Wahnsinns verharren, sondern sich auf die Veränderung einlassen, um Neues in der Welt zu entdecken.

Haben Sie ähnliche Erfahrungen mit einer Veränderung gemacht? Dann erzählen Sie mir gern davon in den Kommentaren. Ich freue mich auf Ihre Geschichten!

2 Kommentare
  1. Michaela sagte:

    Ich habe 2011 während eines Praktikums mein Herz an St. Pauli verloren und auch wenn ich momentan ein gutes Stück von Hamburg entfernt bin freut es mich sehr, dass der FCSP sich zukünftig auch dem Thema Segeln widmen wird.
    Weiter so! Sie werden sicher noch jede Menge schöner Tage auf dem Wasser verbringen, denn segeln macht süchtig… 😉

    Antworten
    • Die Veränderungs-Lotsin sagte:

      Hallo Michaela!

      Vielen Dank für Ihren Kommentar. Vorgestern fand die Gründungsversammlung mit über 100 neuen Mitgliedern statt und ich wurde zur 1. Vorsitzenden gewählt. Sehen Sie sich doch gern unsere Facebook-Seite an (https://www.facebook.com/fcspsegeln/). Die Webseite konnte leider aus technischen Gründen noch nicht freigeschaltet werden.

      Viele Grüße
      Helga Numberger

      Antworten

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Ich bin fasziniert von Veränderungen, unabhängig davon, ob es sich um große Umbrüche oder kleinere Kurskorrekturen handelt. Mein Leben ist geprägt von Veränderungen: Ich habe sechs allgemeinbildende Schulen besucht, bin zwölfmal umgezogen und habe schon unzählige Jobs gehabt. Freunde und Bekannte meinen, mit mir werde es nie langweilig. Ich reflektiere mich ständig aufs Neue und wenn mir bestimmte Aspekte in meinem Leben nicht mehr passen, werfe ich sie über Bord. Die im Laufe der Jahre gesammelten Erfahrungen mit Veränderungsprozessen gebe ich gern an Andere weiter.

Informationen zu meiner Arbeit und meiner Person finden Sie hier.

Die Veränderungs-Lotsin: Portraitfoto Helga Numberger

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