Logbuch-Frage 19.10.2018:
Sind Sie ein Unternehmer oder ein Unterlasser?

Die Veränderungs-Lotsin: Logbuch - Logbuch-Frage der Woche am 19.10.2018: "Sind Sie ein Unternehmer oder ein Unterlasser?"

Vor ein paar Tagen war ich auf einer Veranstaltung zum Thema „Digitale Führung“. Drei Rednerinnen bzw. Redner stellten zunächst in kurzen Impulsvorträgen ihre Sicht auf die Digitalisierung und die damit verbundenen Veränderungen in der Rolle einer Führungskraft dar. Danach wurde mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern über Erfahrungen, Wünsche, aber auch Hemmnisse und Ängste diskutiert. Relativ zum Schluss stellte einer der Redner die oben zitierte Frage in die Runde. Auf dem Rückweg von der Veranstaltung habe ich sehr intensiv darüber nachgedacht und mich dann entschlossen, sie zu einer Logbuch-Frage der Woche zu machen.

Was heißt überhaupt unternehmen und unterlassen?

Klar, die Worte kennt jeder, aber spannend finde ich, die Worte einmal in einem anderen Licht als dem üblichen zu betrachten. Fragen wir doch erst einmal Wikipedia bzw. das Wiktionary.

„Unternehmer ist, wer als natürliche oder juristische Person allein oder gemeinsam mit anderen Mitunternehmern ein Unternehmen betreibt.“ (Quelle). Hm, das bringt uns noch nicht wirklich weiter.

Das Verb „unternehmen“ hat folgende Bedeutungen (Quelle):

  1. etwas durchführen, in die Tat umsetzen,
  2. (meist zusammen) irgendwohin gehen und etwas tun, was viel Vergnügen bereitet,
  3. etwas tun, um gegen ein Hindernis oder Problem voranzugehen.

Synonyme sind:

ausrichten, durchführen, in die Tat umsetzen, auf die Beine stellen, veranstalten, stattfinden lassen, zustande bringen, zuwege bringen, ins Werk setzen, (ugs.) über die Bühne bringen, deichseln, schmeißen, aufziehen.

Es geht also darum, ins Tun zu kommen, zu handeln, Entscheidungen zu treffen, sich proaktiv zu verhalten.

„Unterlassen (oder: Unterlassung) ist in der Rechtswissenschaft eine Handlungsalternative zum Tun und zum Dulden, die in der völligen Untätigkeit eines Rechtssubjekts besteht.“ (Quelle)

Das Verb „unterlassen“ hat die Bedeutung (Quelle):

(meist bewusst) etwas nicht tun (oder nicht mehr tun).

Damit ist also in unserem Kontext ein Verhalten gemeint, das vermeidet, das Entscheidungen scheut, das abwartet. Das berühmte „Aussitzen“, das zur Folge hat, dass die Zeit schon von allein dafür sorgen wird, dass sich ein Thema von selbst erledigt.

Manchmal ist das tatsächlich gut, aber eben nur manchmal.

Welcher Typ sind Sie?

Sie merken vielleicht schon, worauf ich hinaus möchte. Wie sind Sie so drauf? Für welches Verhalten entscheiden Sie sich in der Regel?

  • Sehen Sie Chancen oder wittern Sie überall Gefahren?
  • Möchten Sie lieber gestalten oder verwalten?
  • Reagieren Sie mutig auf Herausforderungen oder eher ängstlich?
  • Wollen Sie gewinnen oder nicht verlieren?
  • Riskieren Sie auch mal zu scheitern oder versuchen Sie stets, auf der sicheren Seite zu bleiben?
  • Denken Sie eher an die Zukunft? Oder hängen Sie lieber im Jetzt oder sogar noch in der Vergangenheitfest?
  • Setzen Sie Ideen gerneum? Oder bleiben Sie lieber auf ihnen sitzen?

Zögern Sie vielleicht zu kündigen, weil Sie Angst vor dem Neuanfang haben? Halten Sie es nur noch zähneknirschend in Ihrem jetzigen Job aus, weil Sie ja dort wenigstens wissen, woran Sie sind? Wagen Sie den Schritt in die Selbständigkeit nicht, weil Ihnen die finanzielle Sicherheit eines festen Gehaltes fehlen würde? Oder warten Sie vielleicht (vergeblich) auf eine Gehaltserhöhung, weil Sie sich nicht trauen, selbstbewusst gegenüber Ihrem Chef aufzutreten?

Wollen Sie ein Unterlasser sein?

Wenn Sie eine oder mehrere Fragen mit „Ja“ beantwortet haben, ist das okay. Sie brauchen sich dafür nicht schämen. Hinter jedem „weil“ steckt ein Bedürfnis, das befriedigt werden möchte: Sicherheit und Gewissheit z.B. Veränderungen bedeuten immer auch ein Stück weit ein Sprung ins kalte Wasser. Nicht jeder ist zu jedem Zeitpunkt dazu bereit oder in der Lage. Manchmal muss man auch schlichtweg abwägen zwischen Pro und Contra – und manchmal gewinnt dann (erst einmal) das Contra.

Die Frage ist bloß: Ab wann wirkt sich das Unterlassen auf Ihre psychische oder sogar physische Gesundheit aus? Und wollen Sie es soweit kommen lassen? Es gibt dieses schöne Sprichwort: „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende!“ Was bräuchten Sie, um von einem Unterlasser zu einem Unternehmer zu werden? Welche Unterstützung bräuchten Sie, wer könnte Sie bei Ihrem Sprung ins kalte Wasser auffangen? Wie könnten Sie Ihre Angst vor dem Scheitern überwinden und Ihre Passivität überwinden?

Wenn Sie sich Ihrer Bedürfnisse, Werte und Stärken bewusst werden, können Sie – gern im geschützten Rahmen eines Coachings – Handlungsalternativen entwickeln und lernen, über Ihren Schatten zu springen. Und dann beantworten Sie die Frage noch einmal neu 😉

Lesen Sie hier, was es mit der „Logbuch-Frage der Woche“ auf sich hat.

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Ich bin fasziniert von Veränderungen, unabhängig davon, ob es sich um große Umbrüche oder kleinere Kurskorrekturen handelt. Mein Leben ist geprägt von Veränderungen: Ich habe sechs allgemeinbildende Schulen besucht, bin zwölfmal umgezogen und habe schon unzählige Jobs gehabt. Freunde und Bekannte meinen, mit mir werde es nie langweilig. Ich reflektiere mich ständig aufs Neue und wenn mir bestimmte Aspekte in meinem Leben nicht mehr passen, werfe ich sie über Bord. Die im Laufe der Jahre gesammelten Erfahrungen mit Veränderungsprozessen gebe ich gern an Andere weiter.

Informationen zu meiner Arbeit und meiner Person finden Sie hier.

Die Veränderungs-Lotsin: Portraitfoto Helga Numberger

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