Sprüche sind wie Leuchttürme

Haben Sie einen Lieblingsspruch? Gefällt Ihnen ein Zitat einer bekannten Person ganz besonders gut? Haben Weisheiten schon einmal eine besondere Bedeutung für Sie gehabt, vielleicht in einer bestimmten Lebensphase? Das Zitat, das mich seit Anbeginn meiner Tätigkeit als Coach begleitet, stammt vom Philosophen Seneca und lautet

„Wer den Hafen nicht kennt, in den er segeln will, für den ist kein Wind der Richtige“

In diesem Artikel möchte ich Ihnen erzählen, warum dieses Zitat für mich quasi nicht mehr wegzudenken ist und warum ich jeden Dienstag auf meiner Facebook-Seite sowie auf Pinterest, Google+, Instagram und Twitter Zitate, Sprüche und Lebensweisheiten veröffentliche.

Von einem Leuchtturm…

Angefangen hat alles mit einem ganz anderen Spruch. Ich arbeitete im Jobcenter als Arbeitsvermittlerin und wurde mit der Zeit immer unzufriedener. Ich sprach immer häufiger davon, etwas ganz anderes machen zu wollen. Zunächst wollte ich einfach nur die Behörde wechseln. Als Mitarbeiterin der Freien und Hansestadt Hamburg stand mir ja zumindest theoretisch die gesamte Hamburgische Verwaltung offen. Aber denkste… Trotz zahlreicher Einladungen zu Vorstellungsgesprächen, die auch alle überaus positiv verliefen, bekam ich keine der gewünschten Stellen. Ich kann nur spekulieren, aber ich gewann irgendwann den Eindruck, dass es interne Absprachen gab, Jobcenter-Mitarbeiter*innen nicht „abzuwerben“. Ich fühlte mich quasi im Jobcenter gefangen.

Tja, was dann? Dann blieb ja nur eins: Kündigen! Den Behördenjob an den Nagel hängen! Wieder in die freie Wirtschaft gehen oder in den sozialen Bereich wechseln. Nun haben Behördenjobs in Deutschland ja immer noch den Nimbus, besonders „sicher“ zu sein. Man muss schon sprichwörtlich goldene Löffel klauen, um im Öffentlichen Dienst gekündigt zu werden – zumal ich einen unbefristeten Vertrag hatte. Sie können sich vorstellen, wie entsetzt also mein Umfeld auf meine Ankündigung, den „sicheren Job“ aufgeben zu wollen, reagiert hat. In dieser Zeit stieß ich auf ein Zitat von Benjamin Franklin, wobei es sich eigentlich um kein wortwörtliches Zitat handelt, sondern eine etwas vereinfachte und den Sinn des Originals nicht ganz korrekt wiedergebende Übersetzung (siehe https://de.wikiquote.org/wiki/Benjamin_Franklin). Der Spruch lautet: „Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.“ Sie kennen diesen Satz bestimmt. Und er passte wie die Faust aufs Auge zu meiner Situation. Ich fühlte mich in meinem Job so dermaßen eingeengt, dass ich förmlich nach Freiheit lechzte. Außerdem war ich noch nie besonders sicherheitsbedürftig. Und je eingeengter ich mich fühlte, um so unwichtiger erschien mir auch die vermeintliche Sicherheit, die mir eine Anstellung im Öffentlichen Dienst bot.

Fortan erwiderte ich jeden Einwand in Bezug auf eine mögliche Kündigung mit diesem Spruch. Er gab mir die Kraft, unbeirrt meinen Weg zu gehen. Heute brauche ich diesen Spruch nicht mehr. Als Selbständige habe ich das Maß an Freiheit, das ich mir wünsche. Aber ich trage den Spruch trotzdem noch in meinem Herzen und erinnere mich gern an die Energie, die er mir gegeben hat.

… zum nächsten

Das Zitat von Seneca, das mich jetzt begleitet, trat etwas später, aber auch noch zur Zeit meines Angestelltendaseins im Jobcenter in mein Leben. Ich hatte mich entschieden, eine Persönlichkeitsanalyse mit dem Reiss Profil erstellen zu lassen. Die Auswertung und das dazugehörige Analysegespräch förderten Erkenntnisse zutage, die mir zwar im tiefsten Inneren vage bekannt waren, die ich aber noch nie so auf den Punkt gebracht hatte wie es der Coach tat, der die Analyse erstellt hatte. Mir fielen sozusagen tonnenweise Schuppen von den Augen… Plötzlich war mir klar, warum ich gar nicht in die Behördenstrukturen passte, warum ich es hasste, abhängig zu sein, warum ich es nur schwer ertrug, „unfähige“ Chefs zu haben usw. Ich war so begeistert von diesem Analyseverfahren, dass ich mich zur Master-Ausbildung anmeldete, um fortan anderen Menschen ebenfalls den Weg zu solch tollen Erkenntnissen zeigen zu können. Dann machte ich noch eine Ausbildung zum systemischen Coach und befasste mich mit dem Gedanken einer (Teil-) Selbständigkeit in diesem Bereich.

Irgendwie spuckte mein Gehirn an einem verregneten Samstag die Bezeichnung „Die Veränderungs-Lotsin“ aus und ich hatte einen Aufhänger für meine Corporate Identity. Tja, und dann fand ich den Spruch von Seneca und wieder passte er wie die Faust aufs Auge. „Der Hafen“ steht für mich für den Ort, an dem wir rundum zufrieden sein können, weil wir dort unsere Lebensmotive ausleben können, weil wir dort in unserem Element sind, weil wir dort unsere Stärken entfalten können und nicht wider unsere Persönlichkeit handeln (müssen). Wenn wir uns aber unserer Stärken nicht bewusst sind oder unsere Lebensmotive nicht ausreichend kennen, dann wissen wir auch gar nicht so recht, wo bzw. was dieser Ort sein könnte. Und dann bringen Anregungen und Einflüsse von außen Sie nur bedingt weiter. Was nützt es Ihnen z.B., wenn Ihnen jemand sagt, Sie könnten mit ihrer kinderlieben Art bestimmt gut im Kindergarten arbeiten, wenn Sie eigentlich ziemlich introvertiert sind und Ihnen zu viele Menschen (egal, ob große oder kleine) auf Dauer extrem viel Energie rauben? Wäre Ihnen nicht bewusst, dass Sie introvertiert sind, würden Sie als Erzieher*in wahrscheinlich sehr schnell ausbrennen.

Mit meinem Coaching-Angebot möchte ich dazu beitragen, dass Sie Ihren beruflichen „Hafen“ finden und dann Ihre Energie („Wind“) so einsetzen, dass Sie direkten Kurs auf Zufriedenheit im Beruf nehmen.

Welcher Spruch könnte Ihr (vorübergehender) Leuchtturm werden?

Und warum veröffentliche ich nun jede Woche weitere Zitate? Ganz einfach! Weil wir alle verschieden sind. Jede/r von uns fühlt sich von unterschiedlichen Sprüchen angesprochen und wie meine Geschichte oben zeigt, können uns bestimmte Sprüche auch nur für eine bestimmte Zeit begleiten, bis wir sie nicht mehr „brauchen“. Also poste ich jede Woche einen Spruch, damit Sie die Möglichkeit haben, den für Sie passenden zu entdecken. Es gibt unzählige Sammlungen im Internet, auf Kalendern, in Notizbüchern usw. Ich glaube, dass die Beliebtheit von Zitaten und Weisheiten niemals abnehmen wird – auch wenn manche schon inflationär gebraucht werden.

Vielleicht mögen Sie mir ja schreiben, wenn einer der Sprüche für Sie zum Leuchtturm wurde. Oder Sie teilen mir Ihren Lieblingsspruch mit und ich nehme ihn gern in meine Sammlung auf.

Haben Sie Fragen oder möchten mich persönlich kennen lernen?